Der Giftmord, Part II
"Spieglein, Spieglein an der Wand.
Wer ist die Schönste im ganzen Land?“
Mit dieser Zauberformel brachte die schöne, eitle Königin ihren Spiegel jeden Tag zum Reden. Ihr blieb die Spucke weg, als der Spiegel eines Tages antwortete: „Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist noch viel schöner als Ihr.“
„Schneewittchen???“ schrie sie wütend. Sie erinnerte sich, dass sie eine Stiftochter mit diesem blöden Namen hat. „Wo steckt dieses Luder?“
Tja, wo Schneewittchen zu finden war, und die ganze Vorgeschichte – sie ist etwas anders als die der Gebrüder Grimm – das lies mal hier nach.Wenn Du damit fertig bist, komm bitte zu diesem Artikel zurück, zum Weiterlesen:
Der Giftmord - alias Apfel No. 3 von 4
So. kann´s weitergehen?
Die bitterböse Königin rief ihren Patenonkel Al im fernen Chicago an, der von dort aus Schneewittchens Liquidation in die Wege leitete. Er beauftragte damit den weltbesten Killer „The Hunter“.
Ob es Mitleid oder andere Gefühle waren, die den eiskalten Menschenjäger aus Palermo-City völlig falsch agieren ließen? Wie beauftragt, brachte er Schneewittchen sofort um die Ecke
- weit weg von zu Hause, über sieben Gebirgszüge und das Mittelmeer auf die Insel Helena. Dort gab er Schneewittchen für eine horrende Summe in die Obhut der kleinwüchsigen Familie Napoleon. - Nebenbei erwähnt, diese nichtsnutzigen sieben Zwerge behaupteten immer, Nachkommen und rechtmäßige Erben des Kaisers von Frankreich zu sein.
Der Königin brachte der Jäger den gewünschten Beweis für Schneewittchen Tod. Sie war so zufrieden, dass sie am nächsten Tag nicht einmal ihren Spiegel befragte, bis ihr am übernächsten Morgen das Laborergebnis vorlag. Das blutige Herz, das ihr der Jäger als das von Schneewittchen übergeben hatte, stellte sich bei der gentechnischen Untersuchung als ein Tierherz heraus.
Sie hatte es ja gleich geahnt, brüllte sie ihren Paten am Telefon an, sie hatte einen weiblichen Killer gewollt! Sie wusste aus eigener Erfahrung, dass Schönheit gepaart mit Unschuld selbst den stärksten männlichen Büffel erlegen und die härteste Birne weich werden lassen können. Zornig stürmte sie in ihre Geheimkammer und fragte den Spiegel: … den Spruch kennst Du ja, lieber Leser … Und der Spiegel antwortete so, wie aus dem Märchen bekannt ist: „Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier. Aber Schneewittchen, hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen, ist noch viel schöner als Ihr.“ Stinksauer warf die Königin einen Stuhl in den Spiegel. Da war´s aus mit der Zauberei und sieben Jahre Unglück für sie angesagt.
Sie ließ den Jäger suchen. Das sollte The Hunter ihr büßen! Der aber war wie vom Erdboden verschluckt. Sie setzte alle Hebel in Bewegung und fand seine Spur, die auf die Insel Santa Helena führte. „Das nehme ich jetzt selbst in die Hand. Schneewittchen muss sterben, und dieser Hundesohn ist ebenfalls des Todes!“ Umgehend ließ sie sich in ihrem Privatjet auf die Insel bringen.
Was die Grimms, die damals ja nur in Deutschland recherchieren konnten, nicht wussten ist, dass der Jäger noch immer dabei war, seinen eigentlichen Auftrag auszuführen. Den Auftrag vom Boss in Chicago. Den begannen nämlich die eigenwilligen Handlungen seines Patenkinds gewaltig zu stören. Die schöne Königin, die ihre Konkurrentinnen seit Jahren aus dem Weg schaffen ließ, hatten dem Oberganoven Al anfangs imponiert. Allmählich erregte sie allgemeines Misstrauen. Sie verunsicherte seine europäischen Geschäftspartner. Diese Frau musste gestoppt werden! Schneewittchen bot sich als der ideale Lockvogel an. Der Jäger war Schneewittchens Beschützer. Gemeinsam mit den sieben Napoleon-Brüdern brachten sie die mörderische Königin zur Strecke.
Tja, liebe Leserin / lieber Leser, die echte Story weicht ganz schön ab von dem Schneewittchen-Märchen der Gebrüder Grimm. Das ist bei denen eben ein Märchen.
Als nächstes kommt noch einmal eine Übereinstimmung, denn die schöne Königin verkleidete sich hässlich und zog die Nummer mit dem vergifteten Kamm durch. Als das nicht funktionierte, legte die böse Königin Schneewittchen mit einem vergifteten Apfel rein. Das hätte fast funktioniert, wenn dann nicht einer der Zwerge in seiner verzweifelten Trauer das ermordete Mädchen gerüttelt und geschüttelt hätte. So löste er das giftige Apfelstück, was in ihrem Hals steckengeblieben war. Es fiel aus Schneewittchens Mund heraus und sie wachte auf.
In dem Grimm-Märchen, musste die bösartige Königin zur Strafe in glühenden Schuhen tanzen, tanzen, tanzen bis zum Umfallen.
So ähnlich war es auch hier, aber anders.
Auf der Insel Helena konnte sie ihrer Festnahme und Strafe entkommen und fliehen. Man sah und hörte sehr, sehr lange nichts mehr von ihr.
Was mit ihr geschah, willst Du nicht wissen? Doch!
Sie war in die Berge geflüchtet und bei einem Wanderzirkus untergetaucht. Etwa 20 Jahre danach holte die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ (oder war es Peta?) im Zuge einer Befreiungsaktion osteuropäischer Zirkusbären eine Frau aus einem engen Käfig. Die ehemals Schönste war so heruntergekommen und zottelig, dass man sie zuerst für ein unbekanntes Tier gehalten hatte. Das gab einen riesigen Presserummel. Sie konnte entfliehen, kam aber nur bis zu einem Waldsee, wo sie vor ihrem Spiegelbild so erschrak, dass sie sich hineinstürzte und ertrank.
Was mit Schneewittchen geschehen war? - Ihr gefiel die WG mit den sieben munteren, kleinen Männern so gut, dass sie dort blieb.
Happy End! - Und wenn sie nicht gestorben sind,
dann leben sie noch heute.